WARUM YOGA ?

"So ist die Methode: Beschränkung des Atems, Zurückziehen der Sinnesorgane, Kontemplation, Festlegung des Denkorgans, Selbstprüfung, Versenkung, das sind die sechs Teile, die man Yoga nennt."
Maitrayai Upanishad
Was kann uns Yoga geben?

Was ist Yoga überhaupt?

Was heisst es, Yoga in das Leben hier und jetzt zu integrieren?


Warum Yoga? Wenn ich zu Beginn eines neuen Kurses nach den Wünschen und Erwartungen der Teilnehmer frage, dann lauten die häufigsten Antworten:
Beseitigung von Verspannungen (besonders im Rücken und Nacken),
geistige Entspannung und
spirituelle Entwicklung.

Wie lassen sich diese doch recht verschiedenen Ziele zusammenführen?

Dass die Körperübungen des Yoga (Hatha-Yoga), einen positiven Effekt auf die Beweglichkeit ausüben, leuchtet auf den ersten Blick ein. Das gilt jedoch nur dann, wenn sie nicht übertrieben werden. Ausserdem stellt sich die Frage, wo der Unterschied zur Gymnastik ist? Die Antwort ist aus meiner Sicht ganz klar: in der Bewusstheit.

Die verschiedenen Zen-Wege, egal ob Bogenschiessen, Blumenbinden oder Teetrinken dienen diesem Ziel: der Entwicklung von Achtsamkeit oder Bewusstheit. Aber auch die Feldkrais-Methode kann uns dabei auf einzigartige Weise helfen. Denn die Entwicklung von Bewusstheit ist kein angestrengter Willensakt, sondern ein spielerisches, man könnte sagen, ein hingebungsvolles Beschäftigen mit den eigenen Bewegungen und letztendlich mit sich selbst. Und das können wir meiner Ansicht nach auf eine wunderbare Art auch bei oder mit unseren Hatha-Yoga Stunden erreichen.

Damit schliesst sich der Kreis und vereint alle drei Ziele. Denn ein solches Vorgehen entspannt sowohl Körper als auch Geist und lenkt den Blick mehr und mehr auf die Fragen: Was tue ich (tatsächlich)? und: Wer bin ich? Damit wird die Tür geöffnet für die eigentliche Dimension des Yoga, der letztendlich ganz klar ein Weg der persönlichen Entwicklung, der Selbstverwirklichung ist, kurz: ein spiritueller Weg.

Was tue ich (tatsächlich)? Wer bin ich? Mit diesen scheinbar banalen Fragen beginnt eine Selbstbeobachtung, die nach dem wirklichen Selbst sucht. Wenn dann der Rechtfertigungsreflex verschwindet, ist das eigentlich schon Meditation.

Hier zeigt sich aber auch, dass sich die Selbstbeobachtung längst nicht nur auf die Zeit des stillen Sitzens beschränkt. Kann sich jemand selbst verwirklichen oder einfach persönlich weiter entwickeln, wenn er nicht (über diese beiden Fragen) meditiert? Kurz: Wie werde ich ein richtiger Yogi ?

Selbstbeobachtung muss nicht als geheimnisvolle, weltabgewandte Technik verstanden werden. Wenn ich die neurologischen Arbeiten von Forschern wie Berthoz, Sacks oder Damasio betrachte, erscheint es mir offensichtlich, das wir uns viel zu wenig darum kümmern, wie wir selbst funktionieren.

So ist beispielsweise unsere Wahrnehmung nicht nur viel differenzierter als wir dies gemeinhin glauben, sondern auch viel mehr von unseren Körperzuständen abhängig. Folglich kann eine intensivere Beschäftigung mit uns selbst, so wie ich sie fordere, keine intellektuelle sein, so wie wir sie aus der Schule kennen. Niemand kann uns erklären, wie wir funktionieren. Das müssen wir selbst herausbekommen.

Wo und wie sollen wir das tun? Die Antwort ist einfach: in der Yoga- oder Feldenkrais-Stunde oder aber in irgend einer anderen Technik, die auf bewusst ausgeführte Bewegungen zurückgreift, wie Qi Gong, Tai Qi, die Alexander-Technik und viele mehr. Entscheidend ist meiner Meinung nach, dass der jeweilige Lehrer selbst ein tieferes Verständnis davon sucht, wie wir letztendlich in unserem tiefsten Inneren funktionieren – lediglich die herrschenden Meinungen herzusagen, reicht da nicht aus.

Dabei zeigt sich meiner Ansicht nach, dass die alten Techniken, wie zum Beispiel Yoga und die neuen, wie Feldenkrais, vielleicht viel mehr von den selben Dingen sprechen und zu den selben Erkenntnissen gelangen, als wir uns das in aller Regel vorstellen.

Die körperliche Hygiene ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden, aber was ist mit der inneren? Erst die tägliche, oder zumindest wöchentliche Yoga- oder Feldenkrais-Stunde wird den meisten Menschen ein Gefühl dafür vermitteln, was eine innere Hygiene wirklich bedeutet.